Irland in 4 Jahreszeiten

Die Iren sagen, dass du in Irland an einem Tag alle vier Jahreszeiten erleben kannst. Hältst du das für ein Gerücht? Dann wäre mein Tipp: Fahr mal nach Irland. Ist wahr!

Wenn du im März nach Irland fährst, erwartest du bestimmt keinen strahlenden Sonnenschein. Aber genau der erwartete uns am Flughafen in Kerry. Quasi mit dem Ausstieg über die Treppe tauchte die Sonne die Region in strahlendes, wärmendes Sonnenlicht.

Sonne

irland der wild atlantic way
Klar dass die Begeisterung für Irland innerhalb von wenigen Augenblicken da war. Mit Sonne im Gesicht irgendwie nicht so schwer. Nachdem wir am Gepäckband mit all den anderen Fluggästen auf unsere Koffer gewartet hatten, gingen wir nach nebenan, um unseren Mietwagen abzuholen.

Und was soll ich sagen: ich riss mir vor dem Office nicht nur den Rucksack, sondern gleich noch den Pullover vom Leib, und stand nur noch im T-Shirt auf dem Hof.

Die ersten Fotos, die ersten Wows, der erste Anflug von Irlandliebe.
Und die erste Begegnung mit dem Einstieg auf der falschen Seite. Diese Sache mit dem Linksverkehr bietet genug Geschichte für einen eigenen Artikel.

Irland ist grün

loop head irland county clareDie Fahrt von Kerry zu unserem Ferienhaus in Irland im County Clare dauerte lange. Aber wir konnten die Zeit nutzen, um uns an die Farbe Grün zu gewöhnen. Von der findet ihr in Irland so unfassbar viele und schöne Variationen.

Fast denke ich, dass die Iren sicher ähnlich viele Worte für Grün haben müssten, wie die Eskimos für Schnee. Aber dann fällt mir wieder ein, dass dies ja nur ein gern wiederholter Irrtum ist. (Siehe hier.)

Unterwegs lernte ich noch, dass es in Irland jede Menge Ginster gibt. Riecht wohl nach Kokos wenn er richtig blüht. Unser Auto ist zu schnell gefahren, ich konnte meine Nase nicht an den Busch halten. Aber vermutlich waren die Ginsterbüsche auch noch nicht "reif". Das nächste Mal schnüffel ich sicher dran!

Irland lernen wir kennen mit der besten aller Jahreszeiten. Dem Sommer. Und auch der zweite Tag beschert uns bestes Wetter. Wärmende Sonne, aber immer wieder auch einen leicht kühlenden Küstenwind.

Fast hatten wir geglaubt, wir würden uns durch eine Woche voller Sonnenschein quälen, aber natürlich kannst du nicht in Irland sein, ohne wenigstens einmal vom Regen geküsst zu werden.

Und glaub mir: Wir wurden noch richtig abgeknutscht.

Nieseln

killrush loop head drive irland
Es nieselte. So einzelne Tropfen. Wenn wir lange genug auf einer Stelle stehen blieben, dann konnten wir leichte Feuchtigkeit auf der Haut spüren. Kein Grund zur Panik also, damit konnten wir leben. Wird ja am nächsten Tag wieder die Sonne scheinen.

Oder auch nicht. Der Tagesplan sah eine längere Autofahrt, aber dann eben auch einen längeren „Außeneinsatz“ vor. Und der kam uns bei all den Regentropfen nicht so erstrebenswert vor.

Doch wir waren ja nicht nach Irland geflogen, um uns dann von dem bisschen Nieseln abhalten zu lassen? Und schließlich hatten wir ja genau mit diesem Wetter gerechnet.

Und dann: Losgefahren sind wir im Nieselregen, ausgestiegen sind wir im Regen, aber spazieren gegangen sind wir bei Sonnenschein. So muss das sein, wenn man zum Arbeiten in einem fremden Land ist!

ailwee cave im burren national park irland
Mitten drin in der Ailwee Cave. Hier ist es immerhin die meiste Zeit trocken
Zum Glück waren wir dann auch noch IN der Ailwee Cave. Eine Höhle im Burren National Park, deren Inneres zunächst immer vom Regen verschont bleibt. (Logischerweise findet ihr auch in dieser Höhle eine Stelle, an der euch der Regen - manchmal nach wenigen Minuten, manchmal erst nach Stunden oder Tagen - auf den Kopf tropft.)

Bei der Anreise am Parkplatz hatten wir ein bisschen Nieseln zu ertragen, und das war es eigentlich auch. Danke, Irland, damit können wir leben.

Regen

gap of dunloe im regen
Im Gap of Dunloe verliess uns leider die Sonne. Passt zwar gut zur Tour, macht es aber nicht wirklich angenehmer. Ich komme trotzdem wieder. So oft ich kann!
Als ich die Irlandreise geplant habe, war mir ein Besuch im Killarney National Park unglaublich wichtig. Vor knapp 28 Jahren war ich durchs Gap of Dunloe geradelt. Das wollte ich wieder tun. Die Fahrräder waren freundlicherweise bereitgestellt von http://killarneyjauntingcars.ie/, die auch Kutschfahrten durchs Gap anbieten. (Und eine unfassbar klatschnasse Bootstour über die Seen im Killarney National Park. Von der ich an anderer Stelle berichten werde.)

An dem Morgen als wir aufbrachen sah es am Himmel zunächst ganz fein aus. Leichte Regenwolken, der Wetterbericht prophezeite allerdings mehr davon. Und das sollte sich auch bewahrheiten.

Regen als Stimmungsmacher

regenbogen in irland
Nach einem Regenguss gibt es ja ab und an auch mal den hier zu bewundern: Ein Regenbogen mitten in Irland
Zwar konnten wir die Ankunft noch im Trockenen feiern, aber kaum das ich mit dem Popo auf dem Rad saß, ging der erste Regenschauer los.

Noch recht bescheiden, aber schon so intensiv, dass ich schnell durchweicht war. Die Fotoausrüstung, die Videokamera, all die Technik wollte ich nicht unbedingt aus der Tasche holen. Aber war ich nicht für die Aufnahmen hier? Also ein T-Shirt drübergehalten, und das Objektiv in den Regen gehalten.

Die Schauer waren aber zum Glück nur kurz (Das ist sehr häufig so in Irland!), und so hat es doch für schöne Fotos und nur wenige Wasserflecken auf dem Objektiv gereicht. An dieser Stelle verschweige ich, wie anstrengend diese Radtour war. Ich hatte das Gap als nahezu flach in Erinnerung. Diese Erinnerung war falsch, das weiss ich jetzt! 🙂

Doch wenn es eine ganze Weile bergauf geht, dann geht es auch wieder bergab!
Und das war knapp außerhalb des Gaps, der Regen hatte hier schlagartig aufgehört. So als habe er einfach nur zur stimmungsvollen Untermalung einer solchen Tour gehört.

Den Weg nach unten konnte ich sausen, unterbrach ihn aber brav immer wieder für Foto- und Videostops. Und bog dann - wirklich am Ende der Strecke - einmal noch nach rechts, um ein letztes Mal anzuhalten.

Nass bis sonstwohin

das gap of dunloe im regen
Da hab ich eine kurze Zeit ohne Regen erwischt für dieses Foto aus dem Gap of Dunloe
Und dann kam der erste, echte, Regenschauer für mich in Irland seit etwa 28 Jahren. Binnen Sekunden war ich nass bis sonstwohin. Die Ausrüstung konnte ich grade noch rechtzeitig in die nicht wasserdichte Tasche verstauen, konnte meinen Arsch auf den Fahrradsitz pressen und grundsätzlich hätte ich losradeln können.

Ich weiss nicht wie es euch geht: Ich denke in so einem Regen ja meistens: Ist nur ein kurzer Schauer. Waren die vorher ja auch gewesen. Warte einfach kurz. Aber ein Blick nach oben klärte mich auf: Da klarte niemand und nichts auf, der würde solange weitermachen, bis ich weg war.

Also trat ich in die Pedale und radelte oder schwamm bis zum Treffpunkt Lord Brandon's Cottage. Da erwartete mich eine Bootstour. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, mit wie viel Vorfreude ich da am Cottage ankam.

Hinter mir der Regen, am Körper nur Wasser, und vor mir ein offenes, kleines Boot und ein endlos scheinender See. Oder gleich mehrere davon. Das einzig Positive was mir dazu einfiel: Nass konnte ich nicht mehr werden. Es ist lustig, wie sehr ich mich in meinem Leben doch immer wieder irre. Aber dazu an anderer Stelle mehr.

Wind

Zugegeben, Irland hat eine ganze Menge Küste. Und da weht nun einmal eine steife Brise. Sollte ich mich also nicht wundern, wenn ein dünnes Jäckchen manchmal als Kleidung nicht ausreicht.

Wer nach Irland fährt, der hat gefälligst eine windfeste Jacke einzupacken. auch im Sommer. Basta.

Ansonsten hab ich den Wind aber nur zum Aufblähen hier im Text. Denn Wind ist mir in Irland nicht besonders aufgefallen. Klar war es frisch am Strand. Am Abend, wenn die Wärme der Sonne langsam weicht. Wenn ich vom Farbenspiel am Himmel fasziniert erstarrt stehe.

Grade am Inch Beach war es der absolute Wahnsinn. Versucht irgendwie zur Dingle Peninsula zu gelangen, wenn ihr in Irland seid. Da findet ihr diesen Strand, da stellt ihr euch am Abend dann hin und geniesst was ihr seht. Das ist wirklich und wahrhaftig keine schlechte Idee! Schaut euch einfach das folgende "schräge" Video an.

Im Herbst ist das mit dem Wind in Irland übrigens ab und an doch mal unangenehm. Auch fernab der Küste, im Landesinneren. Und da kann es dann auch mal passieren, das der so aus heiterem Himmel und unangekündigt anfängt zu pusten. Aber das ist doch überall so, oder?

Schnee

Was hier fehlt ist ja der Schnee. Da muss ich zugeben: Den haben wir nicht mehr angetroffen. Der Winter hat uns also verschont.

Aber es war knapp, wie uns vor unserer Tour durchs Gap of Dunloe gesagt wurde. Wären wir ein paar Tage früher dort gewesen, dann wären wir mit Schneeschuhen bestens bedient gewesen.

So konnten wir dann vor dem Gap die Sonne, im Gap die dicken, fetten Regentropfen, und nach dem Gap, auf den Seen des Killarney National Parks das Seewasser in unserem Gesicht geniessen.

Ich werde also noch einmal zurückkehren müssen nach Irland. Um wirklich alle Wetterlagen, alle Jahreszeiten an einem Tag erleben zu dürfen.

Meine Irlandliebe geht nicht so weit, dass ich sagen würde: Okay, ein Regenguss in Irland macht total Spaß. Ich behaupte noch nicht einmal, ich sei ein Freund des Küstenwinds, eines Nieselregens, oder von schattigen Sommertagen.

Aber ich behaupte, dass Irland möglicherweise ein Land ist, dass dir alles bis auf die Unterhose nass macht. Dir zeigt, dass du doch das Falsche in den Koffer gepackt hast.

Aber Irland tut dies mit einem sympathischen Lachen, einem freundlichen Klaps, einer herzerwärmenden Freundlichkeit, dass du kaum böse sein kannst. Und du wirst wiederkehren. Eines Tages. Und Willkommen sein.

Céad míle Fáilte werden sie sagen. Und es so meinen.

Dieser Artikel ist Teil der A trip to the Planets Europaparade hier

Unterstützt wurde unsere Tour von http://www.ireland.com/de-de/ und http://www.failteireland.ie/

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